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Leseprobe


Rettet die Nomen

Hier finden sie Leseproben von meinen bisherigen Werken, veröffentlicht oder auch noch nicht.


Viel Spass!

Was halten Sie als Leser davon, sich in die Werke einzubringen? Schreiben Sie mir Ihre Meinung. Geben Sie mir Anregungen. Schreiben Sie selbst zu einem meiner Romane ein Kapitel.


Setzen Sie sich mit mir in Verbindung.

   Jesper, der Nom, hatte es sich hinter einigen auf dem Schreibtisch stehenden Büchern bequem gemacht. Von hier aus konnte er den gesamten Raum und die Tür bestens im Auge behalten. Vom Erdgeschoss drang herrlicher Frühstücksduft bis hin zu ihm, und, das musste er leider zugeben, ihm lief das Wasser im Mund zusammen. An der Wand tickte eine Uhr und in unregelmäßigen Abständen knackte es im Gehäuse des Rechners. Das war ja wohl ein total erstaunliches Gerät, ein sehr großer Schrank aus Metall mit ganz vielen bunten Lichtern auf der Vorderseite. Mehrere Kabel gingen von ihm zu einem weiteren Schränkchen, in dem Tasten wie von einer Schreibmaschine montiert waren. Und darüber hing ein matter Spiegel, von dem Jesper aber noch nicht wusste, wozu er diente.

   Mit einem Mal ging die Zimmertür auf. Ein großer Mensch mit langen, lockigen Haaren, die er mit einem Band hinter dem Kopf zu einem Zopf zusammengebunden hatte, kam herein. Ein bequem geschnittenes Hemd konnte jedoch den Bauch nicht ganz verbergen, auch wenn das Hemd nicht in die Hose gesteckt war. Eine Hose aus einem blauen Stoff und ein Paar breite, bequeme Schuhe vervollständigten die Kleidung. Mit bedächtigen Schritten kam der Mensch auf den Tisch zu, wahrscheinlich, um sich auf den Stuhl zu setzen, der davorstand.

   Aber daraus wurde nichts. Er blieb wie erstarrt vor dem Tisch stehen, um mit weit offenen Augen auf das Blatt Papier zu starren, das Jesper dort hingelegt hatte. Dann nahm er das Blatt, setzte sich auf den Stuhl und studierte den »Brief«. Dann sah er nachdenklich auf und blickte sich im Raum um.

   »Aha«, dachte sich Jesper, »nun geht es los. Wenn ich nicht so vor Angst zittern würde!«

Mit zwei seiner längsten Schritte, die er jemals getan hatte, stand er dann plötzlich dort, wo vorher noch sein Brief lag und winkte mit beiden Armen, schön langsam, damit der Mensch ihn auch sehen konnte.

   Und der schrak tatsächlich erst einmal zusammen, ganz wie es sich Jesper gedacht hatte. Dann kniff er die Augenlider zusammen, nahm das Gestell von der Nase, in der sich zwei Glasscheiben befanden und wischte schnell mit einem Tuch darüber und beugte sich langsam vor, um sich genau anzusehen, was da vor ihm auf dem Tisch stand.


-


   Oh bitte, kneif mich doch mal einer. Wenn ich das jemandem erzähle, glaubt mir doch kein Mensch. Vor mir auf dem Tisch steht ein Mensch in Miniaturformat! Und jetzt wedelt er auch noch mit den Armen. Also stimmt es, was ich gerade gelesen habe. Es gibt sie tatsächlich noch. Als ich damals im Jahr neunzehnhundertachtundachzig über die Sache mit den Außerirdischen las, habe ich das genauso für einen Scherz gehalten wie die ungewöhnlichen Erscheinungen in und den komischen Gerüchten über die Area »fiftyone« in Amerika. Aber hier vor mir steht ein Nomen! Und ich glaube, er will etwas von mir. Wenn es stimmt, was Sir Terry Pratchett, der Nomenforscher, von dem ich einmal etwas gelesen hatte, sagte, dann läuft für die Nomen die Zeit der Menschen zehnmal langsamer ab. Wenn ich ihm also etwas sagen wollte, dann in einer so hohen Stimme wie eben möglich, und auch noch so schnell wie möglich.

   »Hallo, ich bin Uli. Willkommen bei uns. Du brauchst keine Angst zu haben, wir werden dir nichts tun. Hoffentlich verstehst du mich?«

   Beinahe hätte ich mich versprochen, so schnell hatte ich noch nie gesprochen. Das musste sich total albern anhören, mit einer so hohen, quietschigen Stimme zu sprechen. Hoffentlich belauschte mich niemand. Sonst schließen sie mich noch ein und werfen den Schlüssel weg! Und anstrengend ist es auch noch.

   Der kleine Mann sah mich an wie… na, ich weiß nicht wie. Aber ich vermutete, dass er mich trotz meiner Bemühungen nicht verstand.

   Tadah! Geistesblitz! Ich schnappte mir einen Stift und schrieb auf einen alten Briefumschlag, der noch auf dem Tisch lag, das Gleiche, was ich gerade gequietscht hatte. Dann hielt ich den Umschlag dem Nomen hin. Der sprang in die Höhe und nickte mit dem Kopf. Also konnte er das lesen.

   Jetzt nahm er seinen eigenen Stift (einen Bleistiftstummel) aus dem Gürtel und schrieb etwas unter meine Nachricht. Da hatten wir dann auch den Salat. Ich konnte es einfach nicht lesen.

   Warte, schrieb ich, ich rufe meinen Freund, der kann uns bestimmt helfen. Ich hoffe, dass du einverstanden bist??

   Der kleine Mann nickte bejahend und setzte sich erst einmal hin. Dann zog er aus einer Hosentasche ein kleines Päckchen, wickelte es aus und biss kräftig in ein… Butterbrot! Winzig klein. Na logisch. Aber es sah so putzig aus. Wenn Marlies das erst einmal sah…

   Ich ging zum Telefon an der Wand und lies mich mit Holger verbinden. Nach kurzer Zeit nahm er ab und war erfreut und erstaunt, dass ich mich schon wieder bei ihm meldete.

»Du, Holger, ich habe da mal wieder ein Problem, bei dem du mir wirklich sehr gut helfen könntest. Kannst du vorbeikommen?«

   Er versprach, innerhalb der nächsten halben Stunde bei mir zu sein und sagte tschüss.

Auf den Zettel für den Nomen schrieb ich, dass ich jetzt Marlies holen würde, damit auch sie den Nomen kennen lernen kann. Wieder nickte er bejahend und aß dann weiter. Ok, er war erst einmal beschäftigt, ich ging nach unten um Marlies zu holen. Oh man, ging es mir durch den Kopf, ich habe es gerade mit einem winzig kleinen Menschen zu tun gehabt. Warum überrascht mich das nicht? Es kam bestimmt daher, dass mir und Marlies noch in den vergangenen Wochen die tollsten Sachen passiert sind. Da gewöhnt man sich an solch Unglaubliches.

   »Hallo mein Schatz, ich habe da was ganz Interessantes, das solltest du dir wirklich jetzt sofort einmal ansehen. Kommst du mal mit nach oben in mein Büro?«

»Was hast du wieder angestellt? Du hast nur Dummheiten im Kopf, und ich muss es wieder richten. Na gut, die Kartoffeln können im Moment auch ohne mich kochen. Aber wirklich nur einen Moment!«

   Und was soll ich hier nun noch groß erzählen. Marlies fiel aus allen Wolken, akzeptierte aber sehr schnell, dass wir Untermieter hatten. Nach einigem Hin und Her schickte ich sie wieder nach unten, damit es keine Bratkartoffeln gab und wartete dann erst einmal auf Holger. Der auch kurz darauf eintraf. Nun war er an der Reihe, eventuell vorhandenen Fliegen freien Zugang bis zu seinem Magen zu gewähren. Er bekam den Mund einfach nicht zu.

Alle Bilder, außer meinen eigenen:


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